WEITGEDACHT mit Dr. Friedegard Föltz
Shownotes
Podcast-Kooperation zwischen Freikirche der STA in der BMV und Theologischer Hochschule Friedensau.
Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Berlin-Mitteldeutschland: https://bmv.adventisten.de/ Theologische Hochschule Friedensau: https://www.thh-friedensau.de/ Shop Friedensau: https://shop.friedensau.de/
Zu Gast: Dr. Friedegard Föltz beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Fragen von Vielfalt, Inklusion und gesellschaftlicher Teilhabe. In WEITGEDACHT sprechen wir mit ihr darüber, warum Vielfalt zu einer modernen demokratischen Gesellschaft gehört, welche Rolle die Menschenrechte dabei spielen und was echte Inklusion von uns als Gesellschaft – aber auch ganz persönlich – fordert. Dabei bringt sie auch ihre eigenen Erfahrungen als Pflegemutter von drei Kindern mit kognitiven Einschränkungen ein.
Darüber sprechen wir: Vielfalt und gesellschaftliches Miteinander · Menschenrechte und Menschenwürde · Gleichbehandlung und Schutz · gesellschaftliche Regeln und Aushandlungsprozesse · Dialog und unterschiedliche Perspektiven · Inklusion und Teilhabe · Menschen mit Behinderung · Barrierefreiheit und einfache Sprache · Zugänge zu Bildung und Kultur · persönliche Verantwortung und soziale Kompetenz
In dieser Folge erwähnt: – Allgemeine Menschenrechte – Inklusion und Barrierefreiheit – Recht auf Bildung und gesellschaftliche Teilhabe
WEITGEDACHT ist ein Podcast von Freikirche der STA - BMV und Theologischer Hochschule Friedensau. Host: Dietmar Päschel Gast: Dr. Friedegard Föltz Sprecherin: Annegret Hartlapp Redaktion: Dietmar Päschel Produktionsleitung: Annegret Hartlapp Produktion: Lucas Olschewski, Matheus Volanin, Oliver Baier
Fragen, Gedanken, Widerspruch? Wir freuen uns, wenn ihr mit uns weiterdenkt: Annegret Hartlapp | annegret.hartlapp@adventisten.de
Transkript anzeigen
00:00:00: Inklusion ist nichts, es keine Sozialleistung die man streichen kann wenn man gerade kein Geld hat.
00:00:07: Inklusion is eine Einstellung und es geht auch um Prioritäten setzen Und es gibt Studien die auch zeigen Wenn wir nicht inkludieren hat das ebenso hohe Kosten.
00:00:18: Das heißt in Inklusion zu investieren ist ein Invest in die Zukunft und wenn wir's nicht tun haben wir auch Kosten.
00:00:27: Und von daher denke ich, das zu wählen was ethisch und wirtschaftlich sich lohnt ist doch das Beste dann.
00:00:46: Hallo und herzlich willkommen zu dieser Podcastfolge!
00:00:49: Heute ist Friedegard Fölz meine Gesprächspartnerin.
00:00:52: Herzlich Willkommen.
00:00:54: Wir reden über Vielfalt und Inklusion Und warum Friedegard dafür die passende Gesprächspartnerin ist, das hören wir jetzt.
00:01:03: Friedegard,
00:01:27: schön dass du in unserem Podcaststudio bist.
00:01:29: Ich
00:01:29: freue mich auch!
00:01:31: Du bist eine Expertin für Vielfalt und Inklusion.
00:01:36: Wenn ich ein Vielfald denke in meinem Lebensalltag dann denke ich zuerst an den Besuch im großen Supermarkt wo über die ganze Regalfläche viele verschiedene Ölflaschen sehen und je nachdem ob man tief oder weniger tief in die Tasche greifen will kann man sich in der Vielfaltung bedienen.
00:01:54: Ist es das, was Vielfalt meint?
00:01:56: Eine große Auswahl für den der sich leisten kann.
00:02:00: Ich will mal eine Gegenfrage stellen und zwar stell dir vor du kommst in einen Raum Und dort sitzen ganz viele Leute die alle gleich aussehen Die alle das Gleiche denken und einfach die gleichen Interessen haben.
00:02:18: Was würdest Du fühlen?
00:02:23: Vielleicht wäre ich auf alle Fälle verunsichert.
00:02:26: Ich wüsste nicht, habe ich es jetzt mit Individuen zu tun oder mit Kopienklonen voneinander?
00:02:33: Also von daher würde ich erst mal suchen heraus.
00:02:36: Würde ich versuchen herauszufinden was unterscheidet die Menschen damit's für mich fassbar wird.
00:02:43: Ich vermute, du wolltest mich jetzt auf die Spur der Vielfalt damit schicken.
00:02:46: Genau, genau!
00:02:47: Weil unsere Gesellschaft und unsere Welt genau dieses Gegenteil ist.
00:02:50: Es ist wie dieser große Suchbarmarkt wenn man das mal so vergleichen will weil jeder Mensch ist einzigartig.
00:02:56: Wenn man sich das mal vorstellt dass Milliarden von Menschen diesen Planeten bevölkern und jeder ist einzigsartig keiner gleich dem anderen.
00:03:05: also von daher ist vielfalt einfach Realität Und es geht glaube ich eher darum diese Realität wirklich anzuerkennen, zu lieben.
00:03:14: Zu akzeptieren das Beste daraus zu nehmen.
00:03:17: und natürlich gibt es auch Herausforderungen.
00:03:20: aber deswegen gehören auch drei Begriffe für mich ganz eng zusammen die Vielfalt was ja Unterschiedlichkeit einfach nur meint.
00:03:28: dann Menschenrechte und Inklusion.
00:03:32: Das sind jetzt drei große Schlagwörter Und ich denke wir kommen da noch so ein bisschen rein.
00:03:36: Was das bedeutet?
00:03:37: Ja danke das Bild mit den nahezu identischen Menschen im Raum, das geht mir noch nach.
00:03:44: Könnte man sagen Vielfalt ist die Konsequenz, dass wir alle Individuen sind?
00:03:50: Ja und das macht das Leben ja auch so interessant!
00:03:53: Also das heißt wenn ich für mich in Anspruch nehme Ich will aber ein Individuum sein Und nicht so wie jemand anders und nur eine Kopie davon dann bin ich schon In dem Terrang der Vielfald.
00:04:06: Das könnte man so sagen
00:04:08: Wenn wir so unterschiedlich sind, was haben wir denn von der Vielfalt?
00:04:13: Gibt es Konsequenzen für unser Miteinander, die Gesellschaft oder Kriterien an denen man merkt vielfalt bringt uns wirklich voran.
00:04:24: Vielfald ist eine Realität und wenn sich überlegt man will alles ein bisschen gleich machen dann geht damit auch eine Menge Farbe aus dem Leben verloren.
00:04:40: Die Menschen sind unterschiedlich.
00:04:41: Davon leiten sich auch die Menschenrechte ab, die gelten einfach für jeden Menschen weil wir Menschen sind.
00:04:48: Ich glaube das ist besonders deutlich geworden nach dem Zweiten Weltkrieg als dann es diesen Straftatbestand Verbrechen gegen die Menschlichkeit gab.
00:04:57: Von daher sind Menschenrechten entstanden Weil und jedem stehen diese Rechte zu Das Recht auf Leben Das Recht Auf Bildung Der Schutz vor Diskriminierung Solche Sachen, die finde ich ganz wichtig auf Gleichbehandlung.
00:05:15: Und noch mal zurück zu Vielfalt.
00:05:17: und was haben wir davon?
00:05:18: Im Titel ist ja auch dieser Begriff Mehrwert von Vielfald.
00:05:22: Finde ich sehr provokant.
00:05:24: muss sich denn erst einen Mehrwert beweisen damit der Begriff oder diese Realität als positiv wahrgenommen wird.
00:05:34: Oder ist es nicht schon schön, dass wir vielfalt haben einfach?
00:05:37: Warum ist sie so bedrohlich für uns geworden?
00:05:39: vielleicht auch.
00:05:40: Vielleicht fragt sich das jemanden.
00:05:43: also wenn ich da an meine Wirklichkeitswahrnehmung denke Es gibt einfach Menschen in denen fühle ich mich einfach oder näher fühle Ich mich einfach wohl.
00:05:51: die sind mir sympathisch.
00:05:53: wir haben vielleicht gleiche Interessen eine gleiche Prägung gehören zum gleichen Milieu Und dann gibt es auch andere Menschen, da spüre ich eher so eine Distanz.
00:06:03: Sei es durch das was sie... wie die Umgangsformen sind oder womit Sie sich beschäftigen und was die Ansichten sind.
00:06:10: Da gehe ich intuitiv ein bisschen zurück.
00:06:14: Ich könnte ja sagen für mein eigenes Wohlbefinden finde ich Vielfalt im einem begrenzten Maße ganz gut.
00:06:20: Könnt gern alle individuell sein!
00:06:22: Ich habe die alle sehr gerne.
00:06:23: Dann gibt es aber diejenigen wo ich in Distanz gehe Ehrlich gesprochen, auch nicht so ganz mag.
00:06:29: Kann man da nicht für die Vielfalt eine Grenze ziehen?
00:06:32: Dass man sagt bis dahin ist Vielfald okay.
00:06:35: Da kommen wir gut miteinander klar.
00:06:37: Es ist behaglich.
00:06:38: Da können wir abends zusammen grillen oder uns über unser Leben austauschen und bei den anderen, die sollen lieber unter sich bleiben.
00:06:45: Oder sagen wir naja wenn ihr da sein wollt müsst ihr euch schon ein bisschen uns anpassen.
00:06:51: Okay es ist ganz normal dass man besondere Leute Lieber hat als andere und mit Leuten besser auskommt oder besseren Zugang findet, als mit anderen.
00:07:03: Dafür sind wir Individuen.
00:07:06: Wir suchen aber auch so die Gleichmäßigkeit oder das was wir kennen?
00:07:11: Das ist uns natürlich lieber.
00:07:12: es ist leichter.
00:07:14: auf der anderen Seite dass was ganz anders ist woraus wir uns einlassen müssen weil es uns herausfordert bringt uns auch weiter.
00:07:22: Also wenn wir uns begrenzen, dann müssen wir auch sagen Wir begrenzten damit auch unsere Persönlichkeit und die Wachstumsmöglichkeiten.
00:07:31: Vielfalt bringt uns einfach weiter.
00:07:33: zum Beispiel gibt es Studien über gemischte Teams Mit ganz unterschiedlichen Menschen, die mehr und bessere und innovativere Ergebnisse bringen als wenn man Gleichgesinnte zusammenwürfelt.
00:07:46: Weil so viele Perspektiven, die mit einmal aufeinander kommen und miteinander verhandelt werden müssen uns insgesamt weiterbringen.
00:07:54: Das ist ja ein spannender Gedanke.
00:07:55: das heißt ein Miteinander im Dialog ist immer bereichernd und trägt zur Entwicklung bei.
00:08:01: Wenn ich das als Theologe sagen darf auch für die Kirche einen spannender Gesichtspunkt.
00:08:08: Wenn eine Gesellschaft so vielfältig ist, wie wir gerade gesagt haben und dadurch eine Entwicklungsmöglichkeit gegeben ist.
00:08:15: Weil man sich eben bereichert durch die verschiedenen Perspektiven und das unterschiedlich sein kann es dann trotzdem gelingen so eine gesellschaftliche Mitte zu finden So ein gesellschaftliches Wir Ein Zusammengehörigkeitsgefühl dass man sagt wir haben nicht nur einen Individualismus aus dem die Vielfalt kommt, sondern wir haben auch eine gemeinsame Identität.
00:08:35: Wie kann das gelingen?
00:08:38: Das ist ne gute Frage!
00:08:39: Ich fang noch mal ein bisschen vorher an.
00:08:42: Vielfald bedeutet ja dass wir uns unterscheiden.
00:08:44: alleine wir Mann und Frau.
00:08:46: Geschlecht unterscheidet uns Die Herkunft, die Religion womöglich die Sprache körperliche oder geistige Fähigkeiten die ich habe Eine Behinderung eine Beeinträchtigung sexuelle Orientierung soziale Herkunft, Bildungswege, Lebenserfahrung.
00:09:04: Wir unterscheiden uns in allem.
00:09:07: damit wir uns verstehen und neugierig aufeinander sein können und das in einem guten Rahmen bleibt brauchen wir Regeln im Kleinen in der Familie wenn ich hingucke wie auch im Großen wo der Staat verantwortlich ist bestimmte Regeln zu geben und die auch durchzusetzen
00:09:26: Das leuchtet mir ein.
00:09:28: Kann das nicht auch dazu führen?
00:09:29: Oder wäre es dann nicht berechtigt, dass die Mehrheit sagt so machen wir das und die Minderheit muss man jetzt aber.
00:09:39: oder die Munderheit darf jetzt nicht ihre Ansichten öffentlich zur Schau stellen.
00:09:45: Sondern weil wir die Mehrheits sind, muss die Münderheit mitmachen.
00:09:51: Vielfalt gehört zu einer modernen demokratischen Gesellschaft seine Meinung sagen kann, sich zeigen kann.
00:10:01: Da kommen wieder die Menschenrechte ins Spiel.
00:10:03: Wir können nicht eine Gruppe von anderen zu Menschen zweiter Klasse machen oder dritter Klasse sie aussondern und absondern Und sagen mit denen wollen wir lieber nichts zu tun haben.
00:10:17: Das finde ich schwierig.
00:10:19: Ich würde einmal vermuten.
00:10:21: diese Regeln müssen auch immer wieder neu diskutiert und neu gefasst werden.
00:10:25: Ich könnte mir vorstellen das regeln auch häufig Machtverhältnisse bekräftigen.
00:10:33: Ich höre das auch immer von in meinem Berliner Umfeld, wo Christi und Christen aller Kirchen eine Minderheit sind.
00:10:43: Höre ich immer wieder Kritik an den christlichen Feiertagen die für alle gelten sollen.
00:10:47: insbesondere auch das Tanzverbot am Kaufreitag sei da zum Beispiel genannt Wo ich sagen würde, na ja.
00:10:54: Ich finde das schon gut aber muss auch wahrnehmen dass ich selbst eine Minderheit bin.
00:10:59: Gibt es solche Prozesse in unserer Gesellschaft?
00:11:01: jetzt meine ich gar nicht nur die Feiertage sondern wo wir auch neue solche Regeln anpassen.
00:11:05: passiert das intuitiv oder müsste das angestoßen werden?
00:11:09: Also ich denke das müsste auch wieder gut in den Dialog genommen werden, dass wir als Gesellschaft aushandeln.
00:11:17: Es ist ja diese ganze Frage um Leitkultur oder so wahrscheinlich, die dahinter steht.
00:11:23: Sicherlich leben wir in einem Staat der die Regeln vorgibt und die unterscheiden sich von anderen Staaten.
00:11:30: Und ich denke daraus speist sich auch eine gewisse nationale Identität wenn man so will.
00:11:37: Wie man miteinander verhandelt wie man leben möchte.
00:11:42: Wo müsste so etwas stattfinden?
00:11:43: Macht das nur der Bundestag an sich?
00:11:46: passiert das auch ganz unauffällig in am Stammtisch oder am Dorfbrunnen, oder an der Kasse am Supermarkt.
00:11:57: Oder wo man sich trifft?
00:11:59: Das denke ich schon.
00:12:00: es sollte sich durchlaufen wie so mit einem Trichter dass auch alle Leute mithreden können, mithentscheiden können ein Recht haben ihre Meinung zu sagen.
00:12:12: dafür müsste es Foren und Gruppen geben sich da Luft zu machen.
00:12:17: Das würde dann ja ernst nehmen, dass jede Person eine Stimme hat die gehört werden darf.
00:12:23: Da würde ich gerne den Bogen schlagen.
00:12:25: zu den Menschenrechten, die du schon angesprochen hast.
00:12:30: Menschenrechte sind für mich wenn ich sie höre ganz hochwertige Begriffe, die schon fast in einer anderen Sphäre sind.
00:12:40: wo erlebst du denn das?
00:12:42: menschenrechte im Alltag beim Arztbesuch?
00:12:45: Beim Fahrten bei der Fahrt mit dem Bus auf Arbeit.
00:12:49: Wo auch immer, dass da Menschenrechte zur Geltung kommen?
00:12:53: Ich erlebe Menschenrechten.
00:12:55: das ich zurückgucken kann auf einen Bildungsweg den ich machen durfte, der mir alle Möglichkeiten gegeben hat wo ich meine Potenziale entwickeln konnte.
00:13:03: Ich kann gehen wohin ich möchte, ich kann entscheiden in wem ich spreche, wo ich meiner Meinung kund tue.
00:13:11: Das sind so ganz wichtige Werte für mich.
00:13:15: Welche Rechte wären die wichtigsten in diesem Zusammenhang?
00:13:21: Oder vielleicht können wir Sie mal aufzählen, um es konkreter zu machen was du den Menschenrechten gehört.
00:13:26: Zu den Menschenerechten gehört das Recht dazu sein, das Recht zu leben und Bildung zu bekommen dazuzugehören zu einer Gesellschaft nicht staatenlos zu sein irgendwo dazuzugehören.
00:13:44: da kommen wir schon in die Richtung Inklusion auch nicht diskriminiert oder runtergemacht zu werden, sondern ernst genommen zu werden.
00:13:52: Respektiert zu werden als Mensch die Freiheit zu haben mich auszudrücken zu sagen was ich möchte was sich nicht möchte ob ich als frau zur schule gehen möchte solche sachen sind für mich sehr wichtig.
00:14:05: da würde ich vermuten dass wir in unserer gesellschaft ganz viel von diesen menschenrechten als etwas selbstverständliches erleben und eigentlich da, wo sie verletzt werden erst auf den Gedanken kommen hier wären Menschenrechte berührt.
00:14:20: Ja genau also das stellt sich im Alltag für mich erst dar wenn ich ich betreue hier zum Beispiel eine Familie aus Syrien wenn da bestimmte Rechte abgesprochen werden auch die Schwierigkeiten die Sie hier in Deutschland haben.
00:14:38: Da merke ich dann erst Das Unterschiede gemacht werden und das ist doch nicht so für alle gilt.
00:14:45: Und wenn ich ganz persönlich werden darf, ich habe drei Kinder die bei mir aufgewachsen sind deren Mutter sehr viel Alkohol in der Schwangerschaft getrunken haben, die eine intellektuelle Beeinträchtigung mitbringen und auch da im professionellen Setting sie leben in Einrichtungen merke ich dass Sie oftmals nicht respektiert werden ihre Meinung nicht ernst genommen wird Und da fängt es an, für mich dann wehzutun.
00:15:11: Wo passiert das?
00:15:12: Dass die Meinung nicht ernst genommen wird?
00:15:14: Kannst du das für uns nochmal konkretisieren?
00:15:20: Wenn mein Gegenüber vielleicht etwas schwierig ist, weil es sehr impulsiv ist, Weil es bestimmt Verhaltensweisen an den Tag liegt, die eine Behinderung mit sich bringt Dann wird es aber wie bei Menschen mit Demenz.
00:15:33: Ich kann sie nicht für die Demenz verantwortlich machen Aber wenn ich das mit der Person verbinde und sie dafür bestrafe oder autoritär sage, so oder so geht es lang.
00:15:45: Ohne das Ganze mitzusehen und die Behinderung aus der diese Verhaltensweisen kommen dann da ist für mich dann so die Grenze.
00:15:54: Das hört sich für mich ein bisschen an im Hinblick auf das was du von deinen Pflegekindern geschildert hast auch im Hinblick auf die syrische Familie, was du kurz angeschnitten hast.
00:16:06: Dass es durchaus Bereiche gibt wo wir als Gesellschaft im Hin Blick auf die Menschenrechte noch etwas zu lernen hätten.
00:16:14: ist das so?
00:16:15: Ja mir fehlt manchmal der Respekt und diese ungeteilte Annahme des anderen.
00:16:21: Der einfachen Recht hat dazu sein Und dann kann man gucken und verhandeln, wo wird's schwierig?
00:16:27: Wo wirds herausfordernd.
00:16:28: Aber erst mal dieses Daseinsrecht anzuerkennen und es ihm nicht übel zu nehmen dass er da ist und Schwierigkeiten hat und natürlich auch macht.
00:16:37: aber erstmal sind das Schwierigkeiten die er hat und dafür sollten wir zuhören und Lösungen suchen.
00:16:46: was meinst du?
00:16:46: woran könnte das liegen dass andere Menschen in diesen konkreten Situationen ohne es zu wissen Menschenrechte verletzen.
00:16:55: Ist es mangelnde Bildung?
00:16:57: Wussten die gerade nicht, dass das um die Menschenrechten geht?
00:17:00: oder liegt das daran, dass erst umständlich wäre mit Anstrengungen verbunden wäre?
00:17:08: oder ist es Gehessigkeit?
00:17:10: was könnte dahinter stecken?
00:17:13: also ich erlebe so dass ich auch schon in den Einrichtungen jetzt ganz konkret menschen erlebe die einfach überfordert sind.
00:17:21: Es fehlen Ressourcen, es werden Mitarbeiter nicht wieder ersetzt wenn sie dann gehen.
00:17:28: Aufgaben müssen übernommen werden, es ist unbequem man ist überarbeitet.
00:17:33: das ist gar nicht mal denke ich bösartigkeit.
00:17:36: aber die Ruhe zu haben sich mal hinzusetzen und zu überlegen wie geht es dem anderen mit dem dass ich ihn jetzt runter gemacht habe oder meine Macht ausgespielt habe?
00:17:49: Das ist so ein Zwischenbereich, weil Dinge nicht bewusst sind glaube ich.
00:17:54: Es ist gar nicht mal böse gemeint.
00:17:56: D.h.,
00:17:56: der Schutz der Menschenrechte braucht auch in unserem Lebensalltag und unserer Gesellschaft immer wieder Aufmerksamkeit und die notwendige Beachtung Ressourcen finanzielle Mittel und auch die bewusste Entscheidung
00:18:10: dafür.
00:18:13: Du hattest schon den Begriff Inklusion genannt?
00:18:16: Wenn wir von Inklusion reden, ein lateinisches Fremdwort.
00:18:21: Was ist dann damit gemeint?
00:18:22: Wie könnte man das in einem Satz oder in zwei Sätzen umreißen?
00:18:26: Inklusion meint einfach nur eine unbedingte Zugehörigkeit, dass alle das Recht haben dazu zu gehören.
00:18:34: Wenn ich jetzt in der Familie gucke, alle die kleine Babys mal gehabt haben, die schreien viel... Das ist anstrengend!
00:18:41: Man muss sie durch die Nächte tragen und versorgen die ganze Zeit.
00:18:45: Wir sagen ja auch nicht Wenn du dann zwei bist und so ein bisschen leichter zu haben, dann darfst du dazugehören.
00:18:50: Sie gehören selbstverständlich dazu auch wenn sie viel Arbeit machen.
00:18:55: Und so ist es auch denke ich mit allen Menschen egal welcher Couleur welches Verhaltensweisen daherkommen.
00:19:03: erst mal haben sie das Recht da zu sein und dann gucken wir
00:19:06: weiter.
00:19:08: Was würdest Du sagen?
00:19:09: in welchen Lebensbereichen ist die Inklusion der Gedanke der Inklusion besonders unter Beschuss geraten?
00:19:16: Wenn ich das Miteinander von Menschen ohne Behinderung und mit Behinderungen ansehe, da haben wir glaube ich ganz viel Nachholbedarf.
00:19:25: Das wird uns auch bescheinigt.
00:19:26: Wir haben die Behindertenrechtskonvention unterschrieben.
00:19:30: Ratifiziert ist sie von Deutschland-Zweißundneun Und es gibt immer mal eine Kontrolle.
00:19:35: wie weit seid ihr denn gekommen diese Rechte den Menschen auch zu geben?
00:19:39: Das fiel nicht so gut aus.
00:19:41: in zwei Staaten berichten schon nicht.
00:19:43: also Da haben wir viel nachholbedarft.
00:19:47: Das könnte jetzt eine Person ohne Beeinträchtigungen überraschen, weil man ganz viele Sachen im Alltag sieht wo auf körperlich beeinträglich die Rücksicht genommen wird.
00:19:58: Es gibt Aufzüge an den Bahnhöfen es gibt ebenerdige Busse es gibt geneigte Ebenen zu Behörden.
00:20:08: aber das ist nicht der entscheidende Punkt vermute ich sondern es gibt noch andere Stellschrauben die jemand der davon betroffen ist, gar nicht wahrnimmt.
00:20:18: Kannst du das noch konkreter machen?
00:20:21: Wir haben schon gute Ansätze wenn ich an leichte Sprache denke oder barrierefreies bauen dass alle so ein bisschen mitdenken denn es geht ja nicht nur um Menschen mit Beeinträchtigung.
00:20:30: wir haben eine alternde Gesellschaft.
00:20:32: Wir profitieren alle davon wenn wir mal auf den Rollstuhl angewiesen sind.
00:20:36: Es gibt auch Arbeitsunfälle und Menschen die danach mit dem Rollstühl klarkommen müssen die alle profitieren, wenn wir dran denken.
00:20:44: Möglichst keine Treppen zu haben oder Zugänge zu Theater-, Schulen- und öffentlichen Gebäuden einfach gutzugestalten, dass jeder Zugang hat.
00:20:56: Inklusion hat noch für mich damit zu tun, das es ein persönliches Wohlwollen braucht.
00:21:06: Dass ich einen Wohlrollen anderen gegenüber habe weil sie Menschen sind.
00:21:12: Das heißt jetzt nicht, dass ich jeden unbedingt lieben muss, mögen muss.
00:21:16: Mich da einbringen muss mit ihnen umgehen muss aber das ich einen Blick dafür habe wo ich mich einsetzen kann damit es anderen Leuten gut geht.
00:21:25: Ein Punkt wo sich Inklusion zeigt ist ja auch die Schule.
00:21:30: und wenn man sich das vorstellt Schulgebäude sind manchmal neu häufig nicht neu sondern haben schon Jahrzehnte auf dem Buckel sind in einem entsprechenden baulichen Zustand.
00:21:44: Und abgesehen von den Gebäuden ist es ja auch von der Pädagogik dann eine Herausforderung oder zumindest braucht zur besonderen Aufmerksamkeit, dann Schüler mit Beeinträchtigung zu begleiten.
00:21:58: Da wurden auch hohe Leitsätze in den zurückliegenden Jahren beschlossen und Inklusion zum Thema gemacht.
00:22:07: Es gibt auch Stimmen die sagen Der Gedanke, der Inklusion in Schulen ist auf ganzer Linie gescheitert und es müssen wieder Förderschulen.
00:22:18: Also bestimmte eigene Schulen für Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf, mit Beeinträchtigung eingerichtet werden.
00:22:27: Wie schätzt du das ein?
00:22:28: Was würdest du dieser Auffassung entgegnen?
00:22:31: Also per se bin ich weniger für dieses Entwederoder sondern gucke mehr nach sowohl als auch.
00:22:37: Ich hatte ja angesprochen, dass ich drei Kinder habe mit unterschiedlichen Beinträchtigungen oder Auswirkungen der Beeinträchigung.
00:22:47: Zwei davon sind in der Sonderschule gewesen und haben sonderpädagogische Begleitung gebraucht.
00:22:55: Es wäre auch für sie es hätte nicht funktioniert in der Regelschule.
00:23:00: Eine hat aber die Regelsschule inklusiv gemacht und ich sehe so die Unterschiede.
00:23:06: Und auch da muss man genau hingucken und ich finde es ist wichtig, dass man den Eltern und den Kindern die Wahl gibt.
00:23:12: Dass man Dinge vorhält und die Wahl gebt.
00:23:15: Und nicht sagt so muss es sein alle Kinder mit Beeinträchtigungen in Sonderschulen, alle anderen Regelschulen damit sie ja nicht gestört werden und auch ihr Klassenziel erreichen und dann auch mal eine höhere Schule machen können sondern das ein gutes Angebot einfach da ist und Wahlmöglichkeiten.
00:23:33: Ich stelle mir die Situation vor, da ist eine fünfte Klasse mit achtundzwanzig Schülerinnen und Schülern.
00:23:41: Und ein Kind ist dabei mit Beeinträchtigungen, braucht einen besonderen Förderbedarf, bekommt die Unterstützung aber ihm wird ermöglicht in einer Regelklasse zu sein.
00:23:53: Wer hat denn da die Vorteile?
00:23:55: Und wer hat die Nachteile?
00:23:57: das einzelne Kind oder die ganze Klasse?
00:24:02: Ist das verteilt oder haben beide Vor- und Nachteile?
00:24:06: Also auch hier möchte ich dieses entweder oder so ein bisschen außen vorlassen.
00:24:09: Ich habe es ja jetzt auch erlebt, wie es laufen kann und erzähle vielleicht einfach mal ein kleines Beispiel.
00:24:16: Oder vorweg in Kindergärten haben wir einen guten inklusiven Stand da läuft es richtig gut finde ich.
00:24:22: Schule ist immer noch eine Herausforderung weil man mehr Personal natürlich braucht.
00:24:26: Inklusion ist nicht zum Nulltarif zu kriegen ganz klar.
00:24:30: Aber dieses kleine Erlebnis, die Kinder sind alle neu gewesen in dieser Klasse.
00:24:37: Nach vier Wochen... Erstmal ist jeder mit sich selber beschäftigt und guckt nicht rechts und links.
00:24:41: Und nach vier Wochen haben sie doch mal so rechts- und links geguckt und haben gemerkt oder es jemand ganz anders?
00:24:48: Dann hat mich die Lehrerin gefragt, die auch gar keine Erfahrung damit hatte und ein bisschen verunsichert selber war So, Frau Fölz.
00:24:56: Was machen wir denn jetzt?
00:24:56: Sagen wir den Kindern was Sache ist mit dieser Klasse und mit ihrer Tochter oder lassen wir es einfach so
00:25:01: laufen?".
00:25:02: Und ich habe gesagt laufen lassen – das glaube ich die schlechteste Alternative!
00:25:08: Wir nehmen die Klasse mal zusammen und sagen, was los ist.
00:25:11: Wir geben einfach ein bisschen Orientierung den Kindern.
00:25:14: Die Lehrerin hat das alleine gemacht, hat die Kinder zusammengenommen, hat ihnen gesagt dass wir einen Kind dabei haben, was ein bisschen mehr Unterstützung braucht und die Kinder waren begeistert.
00:25:24: Sie haben gesagt, wenn sowieso ein bisschen länger braucht, dann übe ich mit ihr lesen oder dies.
00:25:31: Auf dem Schulhof haben sie auf sie aufgepasst weil natürlich andere Kinder das auch riechen und manchmal nicht nett sind.
00:25:40: Sie haben sie verteidigt und beschützt.
00:25:42: Das fand ich sehr schön.
00:25:44: Ich will sagen es gibt soziale Komponenten, soziale Kompetenzen die wir erwerben können im Miteinander.
00:25:54: Und nach einem halben Jahr kam eine neue Schülerin aus einer anderen Stadt in diese Klasse und die stellte sich dann vor die Lehrerin und sagte, was guckten sie immer so blöd?
00:26:07: Oh, hat die Lehrerin gesagt.
00:26:09: Mann, Jolina ich hab ganz vergessen wir haben dir ja gar nicht erklärt, was hier in unserer Klasse los ist und so.
00:26:14: Ich erklär dir das jetzt mal und so und... Dann stand meine Tochter und diese neue Schülerin da und diese Lehrerin erklärte und dann sagte Jolina Ah, verstehe.
00:26:26: Wenn die ein bisschen dumm ist dann kann ich ja ihre Freundin
00:26:29: sein.".
00:26:31: Oh, hat die Lehrerin gesagt.
00:26:34: Solina so läuft das nicht bei uns.
00:26:36: Katharina sucht sich ihre Freunde selber und es fand ich so ein schönes Miteinander in dieser kleinen Dialogszene irgendwie wo genau gesetzt war Moment mal, hier gibt es nicht erste und zweite Klasse Menschen.
00:26:51: Jeder sucht sich seine Freunde, jeder hat Vorlieben.
00:26:54: Es gibt Unterschiedlichkeit aber in manchen Dingen ist einfach Egalität Gleichheit da.
00:26:58: wir haben die gleichen Wünsche nach Kontakt und angenommen sein.
00:27:03: Und so läuft das hier.
00:27:05: Da sind die Menschenrechte wieder konkret geworden auch wenn's ein hohes Wort ist sondern gerade daran die Stimme des Einzelnen zu sehen bei der Wahl der Freundschaften.
00:27:15: Darum geht es, denke ich bei Inklusion und den Menschenrechten.
00:27:19: Nun könnte man natürlich sagen alles schön und gut auf menschlicher Ebene wäre ich sofort dafür.
00:27:26: aber wenn man das mal konkret macht was für ein Aufwand das erfordert was das kostet und wir müssen doch überall sparen und obwohl dass ein gutes Ziel ist im Augenblick geht's grad nicht!
00:27:38: Was würdest du dem entgegnen?
00:27:41: Inklusion ist nichts, ist keine Sozialleistung die man streichen kann wenn man gerade kein Geld hat.
00:27:49: Inklusion is eine Einstellung und es geht auch um Prioritäten setzen Und es gibt Studien die auch zeigen Wenn wir nicht inkludieren hat das ebenso hohe Kosten.
00:28:00: Das heißt in Inklusion zu investieren ist ein Invest in die Zukunft und wenn wir's nicht tun haben wir auch Kosten.
00:28:09: Und von daher denke ich, das zu wählen was ethisch und wirtschaftlich sich lohnt ist doch das Beste dann.
00:28:18: Danke für diese Parallele zwischen Ethik und Wirtschaft!
00:28:26: Danke für all die Einblicke, die Perspektiven.
00:28:30: wenn jetzt gerade jemand diesen Podcast gehört hat beim Joggen oder beim Abwaschen oder wo auch immer gibt es etwas was hängen bleiben sollte damit du sagst, ja das ist angekommen was dir auf dem Herzen liegt.
00:28:45: Ich würde gerne noch mitgeben dass der Mehrwert von Vielfalt darin liegt, dass unterschiedliche Menschen ihre Fähigkeiten einfach einbringen können und dass dadurch unsere Gesellschaft insgesamt stärker wird Und dass Inklusion einen Ausdruck ist von Menschenwürde Chancengleichheit gesellschaftlichen Zusammenhalt und unser Land kann nur so viel gewinnen Wie der Einzelne bereit ist, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen und Strukturen zu schaffen.
00:29:17: Dass unbedingte Zugehörigkeit möglich wird.
00:29:22: Danke dir!
00:29:23: Unbedingter Zugehöhrigkeit – eine Herausforderung und doch etwas was unwahrscheinlich wichtig ist von dem alle Menschen profitieren weil es lebenswert und damit mehr wert
00:29:34: bietet.
00:29:34: Vielleicht so ein Takeaway-Satz?
00:29:36: Gemeinsam verschieden, gemeinsam stark.
00:29:42: Wenn du all das siehst, was dir auf dem Herzen liegt und zugleich du die Realität siehst in der wir leben.
00:29:50: Was gibt dir dann Hoffnung für den Tag morgen?
00:29:54: Ich habe viele schöne Erfahrungen dass es geht und dass es auch immer weitergeht und dass sich lohnt sich dafür einzusetzen Für eine schönere farbigere bessere Welt.
00:30:07: Darum hab ich auch soziale Arbeit gemacht Und ich hoffe dass ich das auch meinen Studierenden weitergeben konnte.
00:30:13: Das war der Weitgedacht Podcast zu Vielfalt, Menschenrechten und Inklusion.
00:30:19: Ganz herzlichen Dank Friedegard für deine klugen Gedanken, dein reflektiertes Nachdenken, deine Beiträge für uns.
00:30:27: Vielen dank dir!
00:30:28: Danke fürs Gespräch!
00:30:45: Informationen zum Podcast findest du in den Shownauts.
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