WEITGEDACHT mit Prof. Stefan Höschele

Shownotes

Podcast-Kooperation zwischen Freikirche der STA in der BMV und Theologischer Hochschule Friedensau.

Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Berlin-Mitteldeutschland: https://bmv.adventisten.de/ Theologische Hochschule Friedensau: https://www.thh-friedensau.de/ Shop Friedensau: https://shop.friedensau.de/


Zu Gast: Prof. Stefan Höschele, Ph.D., ist Professor für Systematische Theologie und Adventismus-Studien an der Theologischen Hochschule Friedensau. In WEITGEDACHT sprechen wir mit ihm darüber, was Theologie zur Deutung und Gestaltung gesellschaftlicher Fragen beitragen kann, welches Verhältnis Christinnen und Christen zu Staat und Politik haben – und warum Zugehörigkeit vielleicht der bessere Begriff ist, wenn wir über Heimat, Nation und Gemeinschaft sprechen. Dabei geht es auch um die besondere Verantwortung christlicher Kirchen gegenüber Fremden und Minderheiten und um die Frage, was christlicher Glaube zu einer guten Gesellschaft beitragen kann.

Darüber sprechen wir: Systematische Theologie · Glaube und gesellschaftliche Verantwortung · Bibel und Politik · Verhältnis von Kirche und Staat · politische Mitgestaltung · Wahlrecht als Privileg und Verantwortung · Nation, Nationalgefühl und deutsche Geschichte · Heimat und Zugehörigkeit · Gemeinschaft und Abgrenzung · Fremde in der Bibel · Minderheitenschutz · adventistische Geschichte und politisches Engagement · christliche Werte und das Reich Gottes

In dieser Folge erwähnt: – John Locke und das Verhältnis von Staat und Individuum – der „Fremdling“ in der Bibel und im Sabbatgebot – frühe Adventisten und ihr Verhältnis zum Wählen – christliche Vorstellungen von Zugehörigkeit und Gemeinschaft

WEITGEDACHT ist ein Podcast von Freikirche der STA – BMV und Theologischer Hochschule Friedensau. Host: Dietmar Päschel Gast: Prof. Dr. Stefan Höschele Sprecherin: Annegret Hartlapp Redaktion: Dietmar Päschel Produktionsleitung: Annegret Hartlapp Produktion: Lucas Olschewski, Matheus Volanin, Oliver Baier

Fragen, Gedanken, Widerspruch? Wir freuen uns, wenn ihr mit uns weiterdenkt: Annegret Hartlapp | annegret.hartlapp@adventisten.de

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00:00:00: Ja, das dazugehören ist ein urmenschlicher Impuls.

00:00:04: Das dazzugehören wollen wir gehören ja eigentlich von Anfang an zu etwas dazu.

00:00:10: Wir gehören zu einer Familie oder zumindest zu einer Mutter wenn die mutter alleine ist.

00:00:17: Wir gehören so einem Gefläch von Nachbarn Oder von Menschen die Dinge gemeinsam tun zur Schule gehen.

00:00:25: Immer wollen menschen dazugehören dass also sehr stark in uns dass wir daheim sein wollen.

00:00:32: Und das bedeutet meistens ja auch bestimmte Menschen gehören dazu und andere eben auch nicht, weil sie nicht das teilen was uns ausmacht dieses Wir.

00:00:44: Da beginnt natürlich schon die Problematik Wer gehört dazu?

00:00:49: Wozu?

00:00:51: Als christliche Kirche ist es relativ einfach wir sind auch so eine Art Familie.

00:00:57: bei uns kann man dazugehören Wenn man sich identifiziert mit den Werten und den Glaubensinhalten dieser Gruppe, dann gehört mal dazu.

00:01:06: Egal ob schwarz-weiß oder sonst irgendwelche Schattierungen dazwischen der Hautfarbe... ...oder auch die Sprache!

00:01:15: Als Kirchen sind wir ja faszinierende Soziallexperimente des Dazugehörns.

00:01:22: Das lässt sich nun auf eine Gesellschaft leider nicht so ohne weiteres übertragen Weil in einer Gesellschaft gerade per Definition auch verschiedene Gruppenplatz haben müssen.

00:01:35: Und statt sich zu bekämpfen, müssen die friedlich miteinander irgendwie auskommen und Kompromisse schließen – das ist oft unangenehm.

00:02:02: Wer gehört überhaupt dazu und wer darf mitbestimmen?

00:02:07: Dazu spreche ich heute mit Stefan Höschle.

00:02:10: Hallo Stefan, schön dass du da bist!

00:02:13: Du kennst dich mit dieser Frage aus oder kannst zumindest Antwortwege uns aufzeigen.

00:02:19: und warum du das kannst – das erfahren wir jetzt.

00:02:22: Stefan Höchle ist Professor für Systematische Theologie- und Adventismusstudien an der Theologischen Hochschule Friedensau.

00:02:29: Zu seinen Lehr- und Forschungsschwerpunkten gehören Ethik, Dogmatik und alle Themen die Adventisten in ihrer Geschichte besonders lieb gewonnen haben.

00:02:39: Darüber hinaus treibt ihnen die Frage um wie sich materieller Reichtum sinnvoll für das Reich Gottes einsetzen lässt.

00:02:48: Stefan bevor wir uns mit diesen drei Fragen beschäftigen du bist Professor für Systematische Theologie.

00:02:54: Wärst du Professor für altes Testament oder neues Testament?

00:02:58: Oder für Kirchengeschichte, dann wüsste man was du machst.

00:03:01: Was macht ein systematischer Theologen?

00:03:04: Der macht etwas, was danach kommt sozusagen der beschäftigt sich mit Lehre und Leben.

00:03:10: Lehre das ist Dogmatik.

00:03:12: also dass nachdenken über das was wir vertreten als Christen auch über Heresien Also über das, was gar nicht geht.

00:03:19: Und in der Ethik ist es so ähnlich.

00:03:21: Da gibt es ja verschiedene Ansätze, wie man das Gute definiert.

00:03:25: Wie wir handeln sollen oder auch nicht und warum?

00:03:27: Und das ist mein täglich Brot!

00:03:29: Das klingt sehr spannend.

00:03:30: Ich kann als Theologe sagen ich finde die systematische Theologie unwahrscheinlich faszinierend weil sie einer Schnittstelle ist da wo man die Wirklichkeit deutet zum Schritt wo man sie gestaltet.

00:03:45: An dieser Schnitt Stelle hast du schon eine Antwort gefunden, wem Deutschland gehört.

00:03:51: Das ist schön.

00:03:53: Im Grunde kann man in der Theologie ja jede Frage erst mal stellen und dann sucht man nach Antworten in der Heiligen Schrift, in den verschiedenen Traditionen der Kirchen und dann überlegt man auch was für Antworten gibt es denn da draußen?

00:04:07: Und man wird feststellen systematische Theologie hat auf diese Frage eigentlich keine klare Antwort weil die Bibel ja ganz anders andere Nationen kennt als heute.

00:04:21: Damals gab es nicht Nationalstaaten im Sinne, wie wir sie haben und deswegen kann man auch die Aussagen der Bibel manchmal nicht nahtlos übertragen auf das was wir heute verhandeln Insofern was über Monarchien oder Tyrannen damals gesagt wurde, Achtung!

00:04:40: Das trifft nicht immer auf uns zu.

00:04:41: Auch das Wort Deutschland taucht in der Bibel soweit ich weiß es nicht auch?

00:04:44: Richtig die Gamanen gab's vielleicht schon aber nicht in dieser Form.

00:04:49: und ja deswegen ist die Frage natürlich eine Frage die uns bewegen mag.

00:04:55: Aber wir können dann nur anhand von Analogien also von ähnlichen Sachverhalten, Schlüsse ziehen für die heutige Zeit und immer schön vorsichtig.

00:05:07: Bei aller Vorsicht auf die du Wert legst keine Frage welche Schlüsselfragen sind denn damit verbunden um einer Antwort näher zu kommen wie im Deutschland gehört?

00:05:17: Zunächst könnte man überhaupt fragen warum sollen Theologen da irgendwas sagen?

00:05:22: ist das nicht eine juristische frage und Juristen hätten eine schnelle antwort.

00:05:26: Juristen würden sagen, das wird definiert durch Staatsbürgergesetze.

00:05:31: Und dann ist die Sache abgehakt.

00:05:36: oder man geht vom Eigentumsrecht her und dann kann man zurückgehen zum Beispiel bis auf John Locke den berühmten britischen Philosophen der den Staat ganz klein halten wollte.

00:05:49: aber Der Staat sollte das Eigentum der einzelnen schützen und dann entsteht natürlich daraus eine Aufgabe des Staates, zu dem nur bestimmte Leute gehören die dann wiederum sich zusammenschließen.

00:06:03: Aber ob man das so machen möchte wie Locke ist ja genau die Frage.

00:06:06: also ob wir uns ihm anschließen oder nicht das müssen wir aus unseren biblischen und theologischen Überzeugungen herleiten.

00:06:14: Und würdest du dich einschließen?

00:06:16: Ich glaube Locke geht zu weit.

00:06:19: Lock will den Staat klein halten, weil er Sorge hat dass der Staat überhand nimmt im Leben der Menschen.

00:06:25: Das war damals vielleicht berechtigt aber heute ist es ja eher so das wir auch mächtige Player außerhalb der Staaten haben die das ganze auch gefährden können und die müssen in Schach gehalten werden.

00:06:40: wenn eine riesige Firma mehr Macht hat als sonst ein ganzes Land ist das denn noch im Sinne der Mehrheit?

00:06:49: Da sind wir schon bei dem Thema, dass verschiedene Akteure Einfluss nehmen.

00:06:55: Kirchen sind ja auch Größen in einem Land.

00:06:58: Würdest du sagen es ist wichtig das sich Kirchen als wichtige Akteur der Zivilgesellschaft verstehen.

00:07:03: oder sollten sie eher ein bisschen am Rand stehen und das Beobachten vielleicht kommentieren aber den Staat-Staat sein lassen?

00:07:10: Tja die Gretchenfrage in der politischen Ethik kann man sagen oder um es einfacher zu formulieren, da streiten sich die Gelehrten.

00:07:20: Denn in der Bibel haben wir eigentlich keine... also im neuen Testament wohlgewehrt.

00:07:27: Haben wir keine ganz klare Ethik der Politik?

00:07:30: Also nirgendwo sagt uns das neue Testament Das müsst ihr machen!

00:07:34: Das sollt ihr machen.

00:07:36: in bestimmten Staatsformen Allgemein schon Ja Wir sollen den Staat unterstützen Und wenn der Staat uns verfolgt, wenn er überhand nimmt dann müssen wir Gott mehr gehorchen als dem Caesar.

00:07:52: Aber das war es eigentlich auch schon!

00:07:54: Die frühen Christen haben ja in der Erwartung gelebt dass dieses Aeon nicht ewig dauert und es gab keine Parteien.

00:08:04: Insofern haben sie sich nicht Gedanken gemacht wie gestalte ich eine Demokratie?

00:08:09: Was ist dann mit einem Satz wie Paulus in Römer XIII?

00:08:12: Es gibt keine staatliche Autorität, die nicht von Gott ist.

00:08:17: Das ist ein wunderbarer Satz besonders weil man dagegen stellen kann.

00:08:21: das macht tatsächlich einen Adventistischer.

00:08:23: Man muss sich das wirklich mal vorstellen.

00:08:26: Ein adventistischer Ethiker der ganz groß ist in dem Diskurs, in der Forschung zu Anarchismus.

00:08:36: Das ist also nicht Anarchie-Chaos sondern es gibt eine politische Richtung die sagt eigentlich brauchen wir gar keine Staaten.

00:08:43: Ohne Staaten ist alles besser.

00:08:44: und da ist Gary Chartier.

00:08:46: oder Chartier ein Professor im Lassiere in den USA ist einer der führenden Köpfe.

00:08:51: Eine Adventist völlig verkehrt passt in meinen Denken überhaupt nicht zusammen aber für ihn passt das Und er würde sagen Das ist ein Ordnungsdenken der damaligen Zeit.

00:09:05: Das war das kleinere Übel, aber die bessere Form ist überhaupt kein Staat zu haben.

00:09:10: Verrückt oder?

00:09:11: Ungewohnt!

00:09:11: Ich kann es mir schwer vorstellen... Wenn man das als einen extrem sieht, das Beste wäre gar keinen Staat.

00:09:20: auf der anderen Seite höre ich auch immer wieder Stimmen, die betonen unbedingt dass Deutschland zum christlichen Abendland gehöre und sprechen von einem christlichen Deutschland.

00:09:31: Wenn ich es mit den statistischen Abgleichen die Auskunft geben über die Kirchenmitgliedschaft der Bevölkerung, wäre ich eher zurückhaltend.

00:09:40: Wie schätzt du das ein?

00:09:42: Vielleicht auch unabhängig von den Mitgliedszahlen der Kirchen?

00:09:45: ist Deutschland christliches Abendland und ist es wichtig von einem christlichen Deutschland zu sprechen?

00:09:53: Die Versuche einen Staat irgendwie religiös zu färben gibt es ja weltweit.

00:10:00: oft gehen diese Versuche schief.

00:10:03: Natürlich haben wir auch Fälle, wo die christlichen Kirchen eine sehr positive Rolle gespielt haben.

00:10:12: Nehmen wir beispielsweise Skandinavien also die Entwicklung in einem stark protestantischen Kontext hin zu Demokratie.

00:10:23: Nennen wir es mal direkt Sozialdemokratie.

00:10:26: Also einen Sinn für die Gemeinschaft das achten auf die Schutzlosen.

00:10:31: all das wurde natürlich befördert durch die protestantische Ethik, die in Skandinavien ganz weit verbreitet war.

00:10:39: Auch nicht mehr so stark ist.

00:10:41: Inzwischen sind dort die Menschen sehr sekular.

00:10:43: Aber klar, Kirchen können eine sehr positive Rolle spielen.

00:10:47: Andererseits wenn wir ans Mittelalter zurückdenken, können gerade kirchliche Monopole natürlich auch genau das Gegenteil bewirken und in islamisch geprägten Staaten sehen wir dass es auch richtig in die Hose gehen kann.

00:11:02: Ja und da möchte ich unbedingt auch die christliche Ethik, die du genannt hast.

00:11:07: Auch mit würdigen.

00:11:09: zugleich muss sich auch feststellen dass mitunter auch die kirche überholt wurde von forderungen nach freiheitsrechten bei der frage nach frauenrechten oder gleichberechtigung war Die christliche ethik waren die kirchen nicht die vorreiter sondern mussten dann auch eine gewisse lernbereitschaft zeigen und müssten das auch bis heute machen.

00:11:30: Du hast ja eingangs schon gesagt Es ist nicht so einfach als Theologe eine Antwort zu finden und ich höre jetzt auch so heraus, so einfach kann man aus theologischer Perspektive nicht beantworten wem Deutschland gehört.

00:11:47: Zumindest nicht den Christinnen und Christen exklusiv.

00:11:51: Nun man könnte sagen es gehört Gott.

00:11:53: ja also aus dem alten Testament da gehört er das Land.

00:11:57: Also Erretz gehörte Gott Und damit war auch das Eigentum, dass der Einzelner hatte quasi immer nur geliehen oder eine Art Erbbau.

00:12:10: Aber das wiederum nahtlos zu übertragen auf einen säkularen Staat ist nicht einfach.

00:12:17: Ist schwierig, wenn man das als Wertschätzung gegenüber dem Grund und Boden hat – ja!

00:12:21: Wenn man dann das aber aufbläht zu einem heiligen Deutschlandfalles Gott gehört verbunden mit einem Nationalgefühl Wird es aus meiner Vermutung auch schon wieder schwierig?

00:12:33: Wie schätzt du das ein?

00:12:35: Ein Nationalgefühl und christlicher Glaube.

00:12:39: Gibt's da Berührungspunkte, kann man als Christ ein starkes nationalbewusstsein haben oder sind Christian und Christen eher kosmopolitisch?

00:12:50: Also in vielen Ländern scheint es ja so zu sein dass er sich nicht ganz stark bei ist sondern Menschen haben einerseits einen Ein christliches Selbstverständnis.

00:12:59: Andererseits stehen sie auch für ihr Land ein.

00:13:02: Schwierig wird es natürlich, wenn sich dieses Selbstverständnis richtet gegen andere, gegen die Nachbarstaaten womöglich kriegerisch und wenn die anderen herabgewürdigt werden sei es konfessionell oder sonst religiös aus irgendwelcher Vorstellungen, die sind muslimisch oder wie auch immer... Da beginnt das Problem.

00:13:28: In Deutschland haben wir eine ganz besondere Geschichte und ich denke, dass ist für uns immer wichtig mitzudenken, dass wir das als Deutsche so weit übertrieben haben, dass wie heute wenn die über national stolz sprechen eigentlich ja rote Flaggen hochgehoben werden müssen.

00:13:49: man kann nicht unbelastet über nationalstolz sprechen.

00:13:53: es geht fast nicht.

00:13:55: Dann lassen wir den Begriff Stolz einmal beiseite und reden von Zugehörigkeit.

00:14:00: Wer gehört dazu?

00:14:03: Gibt es systematisch theologische Anhaltspunkte anhand derer man sagen kann, wer Teil einer Gemeinschaft ist?

00:14:10: Welche Bedingungen erfüllt werden müssten das jemand dazugehört oder wer dann auch in der Konsequenz nicht dazugehört?

00:14:18: Ja, dass dazzugehören ist ein urmenschlicher Impuls, dass da zugehören wollen.

00:14:24: Wir gehören ja eigentlich von Anfang an zu etwas dazu.

00:14:27: Wir gehören zu einer Familie oder zumindest zu einer Mutter, wenn die Mutter alleine ist.

00:14:34: Wirgehören zu einem Geflecht von Nachbarn oder von Menschen, die Dinge gemeinsam tun zur Schule gehen.

00:14:43: Immer wollen Menschen dazugehören.

00:14:45: Das ist also sehr stark in uns dass wir daheim sein wollen und das bedeutet meistens auch bestimmte Menschen gehören dazu und andere eben auch nicht, weil sie nicht das teilen was uns ausmacht dieses Wir.

00:15:01: Und da beginnt natürlich schon die Problematik Wer gehört dazu?

00:15:07: Wozu?

00:15:09: Als christliche Kirche ist es relativ einfach wir sind auch so eine Art Familie.

00:15:15: bei uns kann man dazugehören wenn man sich identifiziert mit den Werten und den Glaubensinhalten dieser Gruppe.

00:15:22: dann gehört man dazu Egal ob schwarz, weiß oder sonst irgendwelche Schattierungen dazwischen der Hautfarbe.

00:15:30: Oder auch die Sprache.

00:15:32: Als Kirchen sind wir, finde ich faszinierende Soziallexperimente des Dazugehörens.

00:15:40: Das lässt sich nun auf eine Gesellschaft leider nicht so ohne weiteres übertragen weil in einer Gesellschaft gerade per Definition auch verschiedene Gruppenplatz haben müssen Und statt sich zu bekämpfen, müssen die friedlich miteinander irgendwie auskommen und Kompromisse schließen.

00:15:59: Das ist oft unangenehm.

00:16:02: Ich möchte noch mal konkret machen wir haben ja in unserer Rechtsordnung die Vorstellung von einem Staatsvolk.

00:16:11: zum Volk gehört dazu wer die deutsche Staatsbürgerschaft hat und es gibt klare Regeln und Richtlinien, anhand derer man die Staatsbürgerschaft erwerben kann.

00:16:22: Dass man dann also einen deutschen Pass besitzt.

00:16:24: Das wird derzeit auch von einigen Seiten heftig kritisiert, dass nicht der Pass jemanden zum dazugehörigen Menschen macht sondern es ist die Abstimmung.

00:16:35: Man muss schon durch mehrere Generationen dazugehören.

00:16:38: Gibt es da eine theologische Perspektive?

00:16:41: Die entweder das eine bevorzugt, das andere kritisieren oder gehen da die theologischen Augen in eine bestimmte Richtung?

00:16:49: Also hier scheiden sich eigentlich die Vorstellungen wie ein Staat aufgebaut sein muss und wie eine Gemeinschaft im Sinne einer Kirche oder eine andere kleine Gemeinschafter funktioniert.

00:17:05: Ich mache jetzt mal einen Schwenk ins XIX Jahrhundert, da fing das ja an dass Staaten größer wurden gerade Deutschland dieser Flickenteppich, der Vereinigte sich.

00:17:17: Und die Menschen begannen nachzudenken darüber was unterscheidet eigentlich so eine Nachbarschaft, eine kleinere Gemeinschaft von diesem großen Gebilde das wir Staat nennen?

00:17:27: und einer der ersten Soziologen Ferdinand, Moment, Ferdinnan Thönnies kam auf die Idee das als zwei Grundmodelle zu kontrastieren Gemeinshaft und Gesellschaft.

00:17:41: dass die in der modernen nicht mehr deckungsgleich sind, sondern das ganz verschiedene Regeln sind nach denen sich abspielt.

00:17:48: Das ist denke ich inzwischen sehr klar.

00:17:51: also dieses Bedürfnis nach enger Verbundenheit und wir stammen womöglich alle noch von irgendwelchen Ahnen ab!

00:18:01: Das ist urmenschlich aber es lässt sich in größeren Gebilden einfach nicht durchhalten.

00:18:06: und wer meint dass das irgendwie wieder rückgängig gemacht werden könnte, indem man irgendwelche Gesetze macht oder die Regeln verändert.

00:18:18: Der ist einfach eine Fiktion einer Lüge aufgelaufen weil tatsächlich in allen von uns alle möglichen Mischungen vorhanden sind.

00:18:27: Trump möchte wie ich gehört habe dieses Geburtsrecht als staatsbürgerliche Zugehörigkeit im USA zurückdrehen.

00:18:38: Klar, verständlich aus seiner Sicht.

00:18:40: Aber was soll das bringen?

00:18:42: Will er damit die weiße Mehrheit retten oder... Was ist es eigentlich?

00:18:47: Also am Ende kann man die Grenzen auch immer schmaler und kleiner fassen Und man wird doch nicht zu einer vollständigen Einheit kommen.

00:19:00: Das ist also ein verzweifelter Versuch, möchte ich mal sagen Das Gefühl der Gemeinschaft zu retten Obwohl wir als Gesellschaft natürlich vielfältig sind und bleiben werden.

00:19:13: Auch die Vorstellung von Deutschland als eigenständige Nation ist ja nicht vom Himmel gefallen, sondern zumindest in der Identität hat sich das herausgebildet und ist von daher ein Konstrukt – wenn auch nicht manipulatorisch – sondern es hat sich einfach entwickelt.

00:19:29: bis zur Herausbildung der Nationalstaaten hat man sich eher zugehörig zum Teilstaat als Schwabe, als Sachse.

00:19:37: Alles was auch immer gefühlt und darüber identifiziert.

00:19:40: Und durch die geschichtliche Entwicklung geht es auch anders.

00:19:44: Ich möchte noch einen Blick darauf legen dass sich die Bibel insbesondere für den Schutz der Fremden einsetzt.

00:19:53: Magst du dazu noch etwas sagen?

00:19:54: Ja sehr gerne!

00:19:56: Sehr gerne!

00:19:57: Ich wäre vielleicht etwas später drauf eingegangen aber natürlich ist der Fremdling in der Bibel ein ganz wichtiger Erkenntnisort.

00:20:10: Also die Fremdlinge, die sind ja da aber sie gehören nicht ganz dazu.

00:20:15: Das ist so ein bisschen wie die Migranten heute und gerade deswegen geht die Bibel an ganz wichtigen Stellen auf die Femdlinge ein.

00:20:24: im Sabbatgebot kommen die vor.

00:20:27: also gerade wenn wir jetzt auf unsere aräntistische Nase blicken dann müssen wir sagen fassen wir uns an die eigenen Nase.

00:20:34: Wir müssen Vorbilder sein, bei denen die Fremdlinge ernst wichtig und gerecht halten.

00:20:40: Also Fremdinge haben Rechte und die müssen unbedingt auch verteidigt werden.

00:20:45: Sonst ist am Ende die Menschenwürde als Ganze kompromittiert in Frage gestellt Und das haben wir als Freikirchen in unseren Geschichten auch jeweils gelernt.

00:20:58: weit vor uns die Menoniten, die Teufel.

00:21:00: Die verfolgt wurden einfach weil sie ein bisschen anders geglaubt haben.

00:21:04: und heute haben wir Menschen aus anderen Ländern, die ein bisschen anderes aussehen und die dafür Probleme kriegen eigentlich erstaunlich aus christlicher Sicht einfach nicht akzeptabel.

00:21:18: das heißt die geschichtliche erfahrung selber einer minderheit angehört zu haben müsste eigentlich dazu führen gerade heute für dieses recht einzutreten und nicht eigene Privilegien zu schützen.

00:21:30: Natürlich ist es urmenschlich, wenn ich jetzt mich hochgearbeitet habe und ich habe vielleicht Privilegen die andere nicht haben mir geht's ein bisschen besser und ich sehe sie kommen und vielleicht wirds denen auch ein bisschen leicht gemacht aus meiner Sicht sich dann zu ärgern.

00:21:45: warum haben die so leicht und warum hatte ich so schwer?

00:21:48: aber ich glaube wir müssen uns dann fragen was würde Jesus dazu sagen?

00:21:53: würde Jesus seinem ärgerfreien Lauf lassen, weil es im anderen gut geht.

00:22:01: Dann kommen wir noch zu der Frage wer darf mitbestimmen?

00:22:04: Und jetzt mache ich das mal ganz platt!

00:22:05: Was würde Jesus dazu sagen?

00:22:07: Wer darf mit

00:22:08: bestimmen?!

00:22:09: Jesus hat ja manches gesagt.

00:22:11: Jesus hat als jemand mit einer Abstreitsache zu ihm kam und gesagt was soll ich mich damit befassen?

00:22:18: Das ist nicht mein Anliegen.

00:22:20: aber Jesus hat auch gesagt der Mensch mit der Münze zu ihm kam, sollen wir jetzt Steuern zahlen oder nicht?

00:22:34: Gebt dem Kaiser was es Kaisers ist und Gott weiß Gottes ist.

00:22:36: Also Jesus konnte schon ganz klar differenzieren, was wir als Christen ansprechen müssen und womit wir uns auch nicht unbedingt befassen müssen.

00:22:48: Und das Mitbestimmen natürlich ist ein wichtiges Thema.

00:22:51: Ganz viele Menschen wollen mitbestimmen bis auf ein paar Christen und dazu gehören ja teilweise auch die frühen Adventisten, die sagten nein zum Beispiel wir wählen nicht.

00:23:02: Weil Politik immer schmutzig ist und deswegen halten wir uns da ganz raus.

00:23:07: Wir besudeln nicht unsere Gewissen sondern wir halten uns raus.

00:23:12: Und dann haben die friehen Adventistinnen in Battle Creek wo sie ganz viele waren schon nach wenigen Jahren gemerkt oha so einfach ist es gar nicht.

00:23:19: jetzt wird einen Bürgermeister gewählt und vielleicht mit der Bürgermeister den ganzen Pups, also diesen Spelunken wo viel Alkohol getrunken wird das Leben noch leichter machen.

00:23:31: Da müssen wir uns dagegen wehren und so haben die Adventisten in Battle Creek gelernt.

00:23:37: Das muss man von mehreren Seiten betrachten.

00:23:40: am Ende wurde Adventist-Bürgermeisters

00:23:44: Ich frage jetzt nicht was das mit den Pups gemacht hat

00:23:47: Ja der war gegen die Pubs.

00:23:50: Ich erinnere nochmal an die ersten Sätze der Bibel, wo der Mensch als Ebenbild Gottes deklariert wird und von Gott als Sein Eben Bild angesprochen wird.

00:24:03: Also mit ganz viel Wertschätzung würde... Und das gilt von Anfang an ist nicht an Bedingungen geknüpft, nicht an Lebensalter, nicht angeschlecht sondern ist ein Konstituierendes, menschliches Element gehört also zum Mensch sein dazu.

00:24:23: Gibt es dann aus christlicher Perspektive dennoch Ansätze zu sagen einige dürfen bei den Fragen unserer Zusammenlebens weniger mitbestimmen als andere?

00:24:35: Hat das Konsequenzen in gesellschaftlichen Fragen?

00:24:38: Also faktisch ist es ja so dass zb ein Mindestalter für Wahlen in fast allen Ländern existiert.

00:24:46: Da kann man drüber sprechen.

00:24:48: Ab wann ist das sinnvoll?

00:24:51: Ist es sinnvoller erst ab Volljährigkeit oder schon ein paar Jahre vorher, dann gibt es immer die Frage nur Staatsbürger oder wie in unserem Fall in Deutschland bei manchen Wahlen auch EU-Bürger?

00:25:04: also da gibt's natürlich Grenzfälle.

00:25:07: nicht jeder kann schon vom Verständnis her also sprachlich wenn jemand überhaupt kein Deutsch kannte und kein Staatsbürgern ist Wie soll mal dem denn überhaupt die Diskussion nahe bringen.

00:25:19: Ansonsten ist aber die Frage wichtig, sind alle Menschen, die betroffen sind auch vertreten?

00:25:25: Und wenn ich mich...wenn ich es richtig gehört habe hat meine Kollegin Friedegard Fels auch darüber gesprochen, sind die Menschen die keine eigene Stimme haben, sind sie richtig vertrete in den Diskussionen, spricht jemand für die?

00:25:39: setzt sich man für die ein?

00:25:41: das heißt natürlich ist aus christlicher Sicht dieses ganze politische Geschehen nicht nur ein Kampf für die eigenen Anliegen, sondern gerade für die, die ihre Anliege nicht zur Sprache bringen können.

00:25:54: Dafür stehen wir, dafür steht das Reich Gottes, dafür stand Jesus selber

00:25:58: und die Propheten, die den Mächtigen ins Gewissen geredet haben auf die Witwen und Benachteiligten zu achten

00:26:08: bis zu Maria dem Magnifikat jubelt Hurra!

00:26:12: Die Mächtigen werden vom Thron gestoßen, wenn es zu viel wird.

00:26:17: Wenn das alles so ist gibt es dann sowas wie eine christliche Pflicht sich einzumischen?

00:26:28: Das ist eine Frage die eine Grundfragestellung der Ethik aufnimmt nämlich die der Pflicht.

00:26:37: also wann beginnen Pflichten wirklich pflichten zu werden?

00:26:43: ich kann mir vorstellen dass in vielen Situationen wir nicht ganz klar umrissende Pflichten haben, weil alles eigentlich läuft und dann kann man das auch laufen lassen.

00:26:54: Oder stellen wir uns vor wie befinden uns in einem Land wo sowieso alles drunter und drüber geht?

00:26:59: Und wir haben kaum eine Handlungsmöglichkeit?

00:27:01: aber wenn wir Handungsmöglichkeiten haben Dann kann es durchaus sein dass wir Pflichte haben.

00:27:08: denn man kann das sogar statistisch aufzeigen dass in manchen Fällen Auch wenn die einzelne Stimme nicht viel ausmacht, dass wenige Stimmen am Ende ganz viel Unterschied gemacht hätten und dann ist jede Stimme, die jemand abgibt für eine Partei, die nicht das Schlimmste aus dem Land macht.

00:27:27: Ist dann sehr viel wert weil es einfach ganz große Konsequenzen haben kann.

00:27:33: Und insofern ist wahrscheinlich zur Wahl zu gehen und eine Partie zu wählen, die für die Menschenrechte steht ist wahrscheinlich einer der Akte, einer der Handlungen die selbst wenn wir es nicht genau messen können am meisten Einfluss hat mehr als alles andere was wir machen.

00:27:56: Und auch wenn wir nicht von einer Pflicht reden wollen weil's wiederum ethische Fragen aufwirft wie weit das eine Pflicht ist ja doch eine Einladung und auch ein Privileg dass möglich ist.

00:28:12: Danke für deine ganzen Überlegungen Seine tiefen Reflexionen zu den drei Fragen, wie im Deutschland gehört.

00:28:20: Wer dazugehört?

00:28:22: Wer mitbestimmen darf?

00:28:25: Was sollte hängen bleiben dass du sagst das Gespräch heute hat sich gelohnt?

00:28:34: Ich will so formulieren als Christen können wir von Menschen aller Überzeugung etwas lernen.

00:28:41: Wir betonen aber das Gottesperspektive auch.

00:28:43: all das in Frage stellt Staaten Gesellschaften Gemeinschaften und ihre Vorstellungen, wer sind wir?

00:28:57: Gut werden diese Gesellschaften oder diese Gemeinschaften, wenn sie zentrale Werte des Reiches Gottes zumindest berücksichtigen.

00:29:07: Aber vor allem, wenn Sie auch Raum geben uns als Christen, diese Werte das Reiche Gottes

00:29:12: umzusetzen.".

00:29:13: Das lässt sich wunderbar als Schlusssatz festhalten in Betreuzung fragen – kannst du diese Wärte des Reiches Gottes noch einmal benennen?

00:29:21: Ja!

00:29:22: Alle gehören dazu.

00:29:23: aus Gnade.

00:29:25: Gott beschenkt uns.

00:29:27: Nicht wo du herkommst zählt, sondern wo du dich hinführen lässt.

00:29:32: Alle haben was beizutragen.

00:29:36: Sprache zählt nicht, Hautfarbe zählt nichts, sondern was zählt es Jesus Christus?

00:29:43: Danke!

00:29:44: Das sind wunderbare Leidsätze für die Fragen unserer Zeit.

00:29:48: so empfinde ich das.

00:29:49: Was gibt dir Hoffnung für den Tagmorgen?

00:29:54: Das ist eine schöne Frage.

00:29:55: am Schluss.

00:29:57: Tatsächlich... erzähle ich noch zwei Sätze aus meinem Dorf.

00:30:02: Ich wohne nämlich im Nachbardorf von Friedensau, zwei Kilometer entfernt.

00:30:06: Im tiefsten Sachsen-Anhalt kann man sagen da beginnt ja einfach das ländliche Sachsenanhalt und wir wohnen dort seit drei Jahren.

00:30:16: mir machen zwei Dinge Hoffnung.

00:30:18: für das morgen des eine ist einer unserer Nachbarn.

00:30:22: zwei Häuser weiter ist Pastor Robinson Mogusu der aus Kenia stammt, aber schon viele Jahre in Deutschland lebt und passt da in unserem Seniorenheim in Friedenshaus.

00:30:35: Und er ist dort vor einigen Jahren hingezogen und er ist ein wunderbar angenommenes Mitglied der Dorfgemeinschaft.

00:30:44: Das funktioniert!

00:30:45: Das geht!

00:30:47: Was wir nach Hoffnung macht.

00:30:48: mit anderen Nachbarn gab es ein bisschen Schwierigkeiten und heute früh hatte ich eine Idee wie ich zu ihnen hingehen kann dass wir uns besser verstehen.

00:31:00: Danke dir für diese Hoffnungszeichen, danke für deine Ehrlichkeit, deine Authentizität, dein ehrliches Nachdenken!

00:31:09: Das war der Weitgedacht Podcast.

00:31:11: Danke fürs Zuhören – alles Gute bis demnächst!

00:31:27: Alle Folgen dieser Reihe sind überall zu hören, wo es Podcasts gibt.

00:31:31: Informationen zum Podcast

00:31:33: findest du in den Show notes.

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